Orte & Geschichte

Fotografie in Köln: von den Bilderschauen der photokina zum Festival der Photoszene

Orte & Geschichte · Veröffentlicht am 2026-11-04

Wenn in Köln ein Fotofestival stattfindet, öffnen sich nicht nur Museen und Galerien, sondern auch Atelierhäuser, Projekträume und Hallen, die sonst andere Kunst zeigen. Diese Tradition hat eine lange Vorgeschichte, die mit einer Industriemesse beginnt und mit einem der wichtigsten Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts verbunden ist.

Die photokina: eine Messe mit Bildern

Die erste photokina fand 1950 in Köln statt, auf Initiative von Bruno Uhl, dem damaligen Präsidenten des Fotoverbandes; der Name stand ursprünglich für „Photo- und Kino-Ausstellung“. Die Messe entwickelte sich zur weltweiten Leitmesse der Foto- und Imaging-Branche und fand bis 2018 alle zwei Jahre im Herbst auf dem Gelände der Koelnmesse statt. 2018 kamen nach Angaben der Veranstalter rund 180.000 Besucherinnen und Besucher.

Danach ging es schnell: Eine geplante Neuausrichtung mit jährlichen Terminen im Frühjahr kam nicht zustande, wichtige Hersteller sagten ab, die für Mai 2020 angesetzte Ausgabe fiel der COVID-19-Pandemie zum Opfer. Am 27. November 2020 wurde die Messe endgültig abgesagt. Damit endete eine Veranstaltung, die sieben Jahrzehnte lang Fotografie nach Köln gebracht hatte.

Die Bilderschauen: Kunst im Rahmenprogramm

Für die Kunstgeschichte wichtiger als die Kameras waren die sogenannten Bilderschauen, die die photokina von Beginn an begleiteten. Organisiert wurden sie bis einschließlich 1980 von Leo Fritz Gruber, einem Werbefachmann, Sammler und Publizisten. Sie zeigten aktuelle und künstlerische Positionen der Fotografie und wurden zum Schauplatz großer Retrospektiven, etwa 1951 für August Sander, 1954 für Irving Penn, 1958 für Margaret Bourke-White, 1960 für Man Ray und 1966 für Gordon Parks. Schon 1950 war die avantgardistische Gruppe fotoform beteiligt, unter anderem mit Arbeiten von Otto Steinert.

Diese Bilderschauen machten Köln über die Messe hinaus zu einem Ort, an dem Fotografie als Kunst diskutiert wurde, zu einer Zeit, in der viele Museen sie noch nicht sammelten.

August Sander: ein Kölner Werk

August Sander (1876–1964) gilt als einer der einflussreichsten Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts. Er lebte und arbeitete lange in Köln. Sein Projekt Menschen des 20. Jahrhunderts, dessen Idee er Mitte der 1920er-Jahre formulierte, sollte die Gesellschaft seiner Zeit in Gruppen ordnen, von „Der Bauer“ über „Der Handwerker“ und „Die Künstler“ bis „Die Großstadt“. Daneben dokumentierte er Köln selbst: 1953 kaufte die Stadt Köln sein Werk Köln wie es war in 16 Bildmappen mit 364 Negativen, mit Aufnahmen vor allem aus den Jahren 1920 bis 1939.

Sanders Werk ist ein gutes Beispiel dafür, wie Fotografie zwischen Dokument und Kunst steht. Seine Porträts wurden zu Bildikonen, aber sie sind zugleich ein Archiv. Die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur in Köln betreut einen großen Teil dieses Werks und erarbeitet Ausstellungen dazu.

Die Internationale Photoszene Köln

Aus dem Umfeld der Bilderschauen ging das heutige Fotografiefestival hervor. Die Internationale Photoszene Köln richtet seit 1984 ein Festival aus, das ursprünglich parallel zur photokina stattfand und zeitweise mehr als 100 Ausstellungen im gesamten Stadtgebiet umfasste. Die Photoszene versteht sich darüber hinaus als Förderin und Netzwerk für das Medium Fotografie: Sie gibt ein jährliches zweisprachiges Magazin heraus, veranstaltet Gespräche, Workshops und Symposien, startete 2018 das Projekt „Artist Meets Archive“ und organisiert mit Partnern ein Festival für Kinder und Jugendliche.

Für kleine Ausstellungsorte ist ein solches Festival eine Gelegenheit. Ein Atelierhaus, ein Kunstverein oder ein Projektraum kann sich mit einer eigenen Fotoausstellung beteiligen und erreicht so ein Publikum, das während der Festivaltage gezielt durch die Stadt zieht. Oft entstehen dafür Gruppenausstellungen mit Künstlerinnen und Künstlern, die sonst nicht fotografisch arbeiten, oder mit Arbeiten, die Fotografie mit Installation, Video oder Text verbinden.

Fotografie ausstellen: worauf man achtet

Wer eine Fotoausstellung besucht, kann auf einige Dinge achten, die in Saaltexten selten erklärt werden:

Fotografie als Archiv und als Material

In der zeitgenössischen Kunst wird Fotografie längst nicht nur als Bild an der Wand gezeigt. Künstlerinnen und Künstler arbeiten mit gefundenen Fotografien aus Familienalben und Firmenarchiven, mit Projektionen, mit Fotografie als Teil einer Rauminstallation oder mit Bildern, die gar nicht mehr mit einer Kamera entstanden sind. Projekte, in denen Künstler mit historischen Sammlungen arbeiten, wie sie die Photoszene seit 2018 organisiert, zeigen diesen Wandel: Das Archiv wird zum Ausgangspunkt neuer Arbeiten. Für Köln mit seinen großen fotografischen Beständen ist das eine naheliegende Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart.

Nach der Messe

Mit dem Ende der photokina hat Köln seine große Fotomesse verloren, nicht aber seine Fotografie. Museen, Sammlungen, die Photoszene und viele kleine Ausstellungsorte halten das Medium präsent. Für das Publikum bedeutet das: Die interessantesten Fotoausstellungen finden sich während der Festivalzeiten oft nicht im Zentrum, sondern in Hallen und Räumen in den Veedeln, die man sonst selten betritt.

Quellen